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James Bond 007 - Ein Quantum Trost (2008) 
Originaltitel: Quantum of Solace
Regie: Marc Forster
Buch: Neal Purvis, Paul Haggis
   
Ø-Wertung 4.8/10
Kritik von Christoph (04.01.09)
Dieser 22. offizielle Bond-Film schafft es auf eine besonders seltsame Formel:

[Ein paar Versatzstücke aus so ziemlich jedem bisherigen Bond] - ["Mein Name ist Bond, James Bond" + "Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt"] + [Wackelkamera] = Ein Quantum Bourne

Also wirklich, das ganze Gerede über die angebliche Neuerfindung und Neudefinition des Bond-Charakters ist ziemlich beknackt und soll wohl nur die Tatsache verschleiern, dass den Verantwortlichen, und allen voran wohl dem Regisseur, hier nur ein absolut mittelmäßiger Thriller, ob nun Bond oder nicht, gelungen ist.

Denn letztendlich handelt es sich in erster Linie um einen typischen Bond, scheiß auf das ganze oben angedeutete Gerede. Am auffälligsten wird das daran, dass sich der Film Szene für Szene aus dem bereits bestehenden Fundus des berühmstesten Geheimagenten der Welt bedient. Es gibt eigentlich nicht eine einzige Sequenz, die nicht in ähnlicher Form bereits in einem der Vorgänger-Filme zu sehen war. Die Bootsjagd: eigentlich nicht zu übertreffen in "Live and let die". Das Gefecht der tieffliegenden Flugzeuge in den Bergen: geklaut bei der Vortitelsequenz von "Tomorrow never dies". Ganz zu Schweigen von den unübersehbaren Anleihen u.a. bei "Living Daylights", "The Spy who loved my" und natürlich "Goldfinger": Eine Frau ganz in Öl tot auf dem Bett - wie originell.

Und wenn nicht bei Bond selbst geklaut wurde, dann eben bei besagtem Jason Bourne. Sei es, dass der Inszenierungsstil abgekupfert wurde (mittelschwere Wackelkamera), sei es, dass ganze Sequenzen übernommen wurden (Verfolgungsjagd über die Dächer von Siena): "Quantum of Solace" ist deutlich, und aus hiesiger Sicht nicht zum Vorteil, von den beiden Fortsetzungen der Bourne-Reihe geprägt. Also auch hier nichts Neues in Sicht.

Wie verlogen die ganze Neuerfindungsgeschichte tatsächlich ist, zeigt im Übrigen ein wirklich dreister Kniff. Schließlich erinnert die gesamte Story von "Quantum" derartig offensichtlich an "Licence to kill", dass man es schon fast mutig nennen muss. War es doch gerade dieser Streifen, der herbe Kritik aus allen Richtungen einstecken musste und sogar den Rauswurf von Kurzzeit-Bond Timothy Dalton zur Folge hatte. Das ist doch mal Chuzpe - "Neuerfindung" durch Neuinterpretation des umstrittensten Films der gesamten Reihe. Von den seinerzeitigen Schmährufen wie "Rambond" ist allerdings derweil nichts zu hören, obwohl heute genauso berechtigt oder unberechtigt wie 1989.

Alles Unsinn also mit der angeblichen Neudefinition - Bond bleibt Bond. Und das es schon immer eher schlechte Teile der Reihe gab gehört genauso zur Tradition des Mythos wie die Tatsache, dass die Folgen immer ziemlich dem jeweiligen Zeitgeist angepasst waren.

Wirklich neu ist nur eines: Früher hing die Qualität eines Bond-Streifens eher weniger vom Regisseur ab. Doch diesmal scheint es ganz offensichtlich, dass der gebürtige Deutsche Marc Forster die Sache nicht ganz unter Kontrolle gehabt hat. Insgesamt wirkt dieser Bond ohne szenische Führung, wahllos in den Einstellungen, im Schnitt, verhackstückt insbesondere in der Opern-Sequenz, der es völlig an Übersicht mangelt. Auch der Showdown wirkt wie ein dem Rest aufgesetzter Fremdkörper und alles verpufft, bevor es überhaupt richtig angefangen hat.

Das mag aber auch an dem "Bösewicht" Dominic Greene liegen, der die memmenhafte Heulsuse Le Chiffre aus "Casino Royal", die wenigstens gut gespielt war, noch bei weitem unterbietet. Das ist wahrscheinlich einer der größten Schwachpunkte von "Quantum". Es wird Zeit, dass endlich mal wieder ein charismatischer Unhold das Bond-Universum betritt.

Was also bleibt, wenn sich der ganze Staub verzogen hat, den ein jeder neuer Bond-Film selbstverständlich aufwirbelt, ist wiederholt die Erkenntnis, dass ein guter Darsteller noch keinen guten Bond zur Folge haben muss - und das die Produzenten unter dem Druck des Erbes, des Erfolges und der Medienhysterie mitunter zu äußerst heuchlerischen Maßnahmen neigen. vielleicht wäre hier mnachmal etwas mehr Ehrlichkeit, auch sich selbst gegenüber, besser.

Aber so schlecht ist "Quantum" nun auch wieder nicht, nur leider aus den dargstellten Gründen sehr durchwachsen. Aber so bleibt wenigstens Spielraum für die nächste Auflage, und das läßt ja auch hoffen. Wir hören uns wieder in zwei Jahren.

Note: 6/10
Darsteller:
Joaquín Cosio General Medrano
Tim Pigott-Smith Foreign Secretary
Rory Kinnear Tanner
Anatole Taubman Elvis
Jesper Christensen Mr. White
David Harbour Gregg Beam
Jeffrey Wright Felix Leiter
Gemma Arterton Strawberry Fields
Giancarlo Giannini Mathis
Judi Dench M
Mathieu Amalric Dominic Greene
Olga Kurylenko Camille
Daniel Craig James Bond
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